Perception is Reality – zu Gast im Frankfurter Kunstverein

Am 30. November war der Social Media Club Frankfurt zu Gast im Frankfurter Kunstverein. Anlass dazu gab die aktuelle Ausstellung ‚Perception is Reality: Über die Konstruktion von Wirklichkeit und virtuelle Welten‘.

Nach dem obligatorischen Gruppenfoto führte man uns zur Begrüßung in die Künstlerwohnung. Hier haben die wenigsten Menschen Zugang, sie ist eigentlich dafür gedacht, ausstellende Künstler zu beherbergen. An diesem Abend aber haben wir hier erste Infos zur Ausstellung bekommen.

Kuratiert wird die Ausstellung von Franziska Nori und setzt sich mit den grundlegenden Bedingungen von Wahrnehmung auseinander. Neben einigen Analogen Ausstellungsstücken, unter meine Favoriten fällt ‚The Garden Room‘, gab es auch zahlreiche Installationen, die mit dem Medium Virtual Reality arbeiten.

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Hans Op de Beeck, „The Garden Room“, 2017. Foto: N. Miguletz. Copyright: Frankfurter Kunstverein.

Mit Hilfe der VR Brillen ist es dem Besucher möglich in eine neue Welt einzutauchen. Gleich zu Beginn steht man bereits in mitten eines Exponates (wenn man das an dieser Stelle noch so sagen kann?). Manuel Roßner hat die Architektur des Frankfurter Kunvtvereines digital nachmodelliert und um fiktive Elemente erweitert. Mit der VR Brille steht man zwar im selben Raum, hat aber plötzlich Material zur Verfügung, welches mit einem Controller gesteuert werden kann.

Neben solchen Spielereien zeigt der Kunstverein aber auch die realen Möglichkeiten von Virtual Reality. Besonders spannend waren hier der Einblick in die Arbeit des Bayerischen Landeskriminalamtes. Sie nutzen die VR Technologie um Tatorte nachzustellen und diese noch ein mal virtuell begehen zu können, ohne selbst Spuren zu hinterlassen oder etwas zu verfälschen.

Unser Lieblingsraum war aber definitiv der, in dem Christin Marczinzik & Thi Binh Minh Nguyen ihre ‚Swing‘ (2015) installiert haben. Der Name ist Programm: der Besucher sitzt auf einer Schaukel, die Beine schwingen relativ frei. Man bekommt neben der VR Brille auch Kopfhörer mit angenehmer Musik, die das virtuelle Erlebnis noch viel aufregender gestalten.

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Eine Führung durch die Ausstellung lohnt sich. Man bekommt die Hintergründe hinter den Ausstellungsstücke wirklich nett und eloquent näher gebracht.

Wer noch kurzfristig ein Weihnachtsgeschenk sucht, sollte die Möglichkeit nutzen, einen Tag im Frankfurter Kunstverein zu verschenken: noch bin zum 07.01.2018 besteht die Möglichkeit, sich die Ausstellung anzusehen. Der Eintritt beträgt lediglich 8€ (6€ ermäßigt).
Eine gute Geschenkidee ist auch eine Mitgliedschaft im Kunstverein. Neben dem freien Eintritt in die Ausstellungen ermöglicht diese auch ganzjährig freien Eintritt in rund 300 weiteren Kunstvereinen (ADKV) und 20% Rabatt auf Speisen und Getränke in der Cafébar im Kunstverein (der Kuchen soll sehr gut sein). Weitere Infos gibt es hier.

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How to: Erinnerungskultur

Das Mahnmal in der Cora-Berliner-Straße in Berlin ist riesig. Über 2711 Stelen ragen unübersehbar aus dem Pflaster, die Deutungversuche der von Peter Eisenman ausgetüftelten Anordnung sind zahlreich. Es ist für jeden zugänglich, der es ansehen möchte und kostet auch keinen Eintritt. So weit, so gut. Doch in all diesen Vorteilen liegen auch die Nachteile – ist es im Grunde nicht zu viel? Wie gehen Leute damit um? Wie gedenkt man richtig? Gibt es ein Richtig, ein Falsch?
Die Foto-Aktion #yolocaust von Shahak Shapira war eine Reaktion, die, meines Erachtens nach, lange überfällig war. Wer schon ein mal dort war weiß um die Touristen (und vielleicht Einheimischen?), die es sich nicht nehmen lassen, die 19.000m² zum Schauplatz eines Fotoshootings zu machen, das noch seines Gleichen sucht. Vorausgesetzt man schaut nicht um die Ecke.
Es kann also unter Umständen zu viel sein, wenn man sich nicht mit der Gedenkstätte auseinandersetzt und sich über die Bedeutung des Gedenkens und der Gedenkstätte als solche nicht im Klaren ist. Wird der gesamten Thematik genug Beachtung geschenkt? Wie viel Beachtung ist genug Beachtung? Wie auffällig muss ein Denkmal überhaupt sein um als Denkmahl zu gelten?

Fragen, die sich unter Umständen auch Marcus Katz und Tobias Kaiser gestellt haben könnten, als es darum ging, einen neuen Erinnerungsort in Frankfurt zu schaffen. 2001, noch bevor das Gelände der EZB gehörte, machte man sich bereits Gedanken, wie man das eher düstere Kapitel der „Gemieskerch“, wie die Großmarkthalle im Volksmund hieß, aufarbeiten sollte. Was ich nicht wusste ist nämlich, dass sie zwischen 1941 und 1945 von der Gestapo Frankfurt als Sammelplatz genutzt worden ist. In den Kellern wurden die jüdischen Bürger Frankfurts zusammengetrieben, schikaniert, beraubt um anschließend in Gefangenenlager transportiert zu werden. Das macht die Großmarkthalle zu einem wichtigen Dreh- und Angelpunkt für die Deportationen der jüdischen Bevölkerung. Mehr als 10.000 Menschen wurden auf diese Weise ihrer Heimat, ihres Besitzes und ihrer Würde beraubt.

https://www.ecb.europa.eu/ecb/premises/intro/location/html/historic.de.html

Während 2009 die Pläne für den neuen Sitz der Europäischen Zentralbank Formen annahmen, überlegten sich die Architekten, wie sie dem Wunsch der EZB, der Stadt und der jüdischen Gemeinde Frankfurts entsprechen könnten. Das Ergebnis, 2015 an die Öffentlichkeit übergeben, findet man jetzt direkt am Gelände der Europäischen Zentralbank. Finden ist hier ein guter Stichpunkt, denn, anders als andere Denkmäler, ragt dieses nicht hervor, man sieht es nicht aus der Ferne und man stolpert nicht wirklich drüber, wie bei den ‚Stolpersteinen‘, die in jeder größeren Stadt in Deutschland zu finden sind.

Hell und kaum anders als andere Wege durch Frankfurts Grünanlagen, zieht sich ein Pfad zur linken Seite des Geländes vorbei. Den Unterschied sieht man nur, wenn man runter schaut, denn der helle Beton ist geziert von Zitaten. Diese Zitate sind, mühevoll recherchiert, unauffällig in den Weg integriert, sodass man anhalten muss, um sie zu lesen und sich darüber Gedanken zu machen.

https://www.frankfurt-tourismus.de/Entdecken-und-Erleben/Sehenswertes/Juedisches-Frankfurt/Fuehrungen-zum-Juedischen-Frankfurt

Ein besonderes Highlight ist die Scheibe, die einen Blick auf die Rampe gewährt. Auch hier ist ein Zitat zu lesen. Hinter die Scheibe kommt man nur durch die Tür, die sich auf der rechten Seite der hellen Wand hinter der Scheibe befindet. Und hier wird es tricky, denn so einfach kommt man dort gar nicht hin, wie wir am eigenen Leib erfahren mussten.
Das Prozedere begann schon viele Tage zuvor, denn ohne Anmeldung geht hier nichts. Man muss einen Termin bei der EZB einreichen, alle Besucher mit Geburtsdaten anmelden und auf die Genehmigung warten (Wird man derweil durchgecheckt? Weiß die EZB, dass ich manchmal demonstriere? – Keine Ahnung). Wenn dieser erste Akt geschafft ist, muss man höchst pünktlich sein und bekommt eine/n Sicherheitsbeamte/n zur Seite gestellt, der nicht nur geheime Türen aufschließt sondern auch brav mit läuft. Wir hatten einen sehr netten Kollegen aus der EZB, der uns auch so viele Fragen beantwortet hat, wie er durfte. Die Organisation nimmt das Jüdische Museum Frankfurt in die Hand.

Wie auch bei meinem letzten Besuch, wo das Social Media Team des jüdischen Museums die gesamte Planung übernommen hat. Zusammen mit einigen Social Media Menschen hatten wir die Freude von Fritz Backhaus, dem Stellvertretender Direktor des Museums, über das Gelände geführt zu werden. Im Inneren haben wir die Sammelhalle besichtigt. Auch hier gibt es wieder emotionale Zitate von Zeitzeugen und Angehörigen. Die Atmosphäre ist bewegend; Man steht genau dort wo Menschen gestanden haben, denen schreckliches Leid zugefügt worden ist, während Händler und Einkäufer den ganz normalen Marktbetrieb beibehielten.

Die Erinnerungsstätte ist insofern interessant, weil das Gedenken hier ganz beiläufig geschieht. Es ist nicht zu aufwendig, es sticht nicht ins Auge. Es ist ganz dezent und weist quasi höflich darauf hin, dass hier vor vielen Jahren furchtbare Dinge stattgefunden haben.

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Im Zuge der Besichtigung lohnt es sich auch, den Friedhof in der Battonstraße zu besichtigen. Er liegt direkt neben dem Museum Judengasse, ist gut zu errichen und es gibt großartige Führungen. Auch das haben wir nämlich geschafft, Herr Michael Lenarz hatte nicht nur die Infos zum Friedhof an sich, sondern auch zur jüdischen Sterbekultur. Als stellvertretender Direktor des Museums ist er hier besonders informiert über den Friedhof und hat auch bei der Restaurierung einiger Grabsteine mitgewirkt.

Abgesehen davon, dass ich das Thema generell interessant finde, gibt es auf dem alten jüdischen Friedhof viel zu entdecken. So ist die Außenmauer des Friedhofgeländes ist bestückt mit kleinen Blöcken, auf denen Namen, Geburts- und Sterbedaten von Juden aus Frankfurt zu lesen sind. So auch der von Anne Frank und ihren Familienmitgliedern.

Das Museum bietet grundsätzlich öffentliche Führungen an, beispielsweise auch am 24. Juni. Am Tag der Architektur besteht die Möglichkeit, die Gedenkstätte auf dem Gelände der EZB zu besuchen.

 

#senckenberg200 – Unterwegs mit dem SMCFFM

Bereits 200 Jahre forscht die Gesellschaft Senckenberg und ebenso lange ist es Ziel, das Wissen mit der breiten Öffentlichkeit zu teilen. Und das funktioniert – und zwar ganz großartig. Das nahmen Katja und Paul vom Social Media Club Frankfurt zum Anlass, ihren nächsten Social Media Walk (oder mittlerweile eher Museumswalk? Mir würde es gefallen!) im Senckenberg Museum zu veranstalten.

Los ging es mit einer Tour durch das Museum. Ich war noch nie dort, was fast tragisch ist im Alter von 21 Jahren. Umso mehr habe ich mich gefreut, dabei sein zu dürfen.

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Unsere Führung startete bei einem der beliebtesten Exponate, die das Senckenberg Museum zu bieten hat – die Anaconda, die das Wildschwein frisst. Fun Fact: ist gar kein Wildschwein, sondern ein Wasserschwein. „Und so gestorben sind die beiden auch nicht, man hat sie später ineinander präpariert“, erklärt man uns.
Generell lohnen sich Führungen durch die Ausstellung. Allerdings kann man, wenn man die Exponate lieber in Ruhe erkunden möchte, die Audio Tour nutzen, die es gegen den Aufpreis von 3€ gibt. Alle weiteren Preise findet ihr hier.

 

Ein Ausflug mit Katja und Paul wäre aber kein Ausflug mit Katja und Paul, wenn wir nicht die Möglichkeiten hätten, exklusive Einblicke hinter die Kulissen zu bekommen. So hatten wir gegen Ende noch die Möglichkeit, uns die Vorbereitung für die nächste Ausstellung anzusehen. Ab dem 29. September zeigt das Senckenberg eine Ausstellung zum Thema Artenvielfalt geben – aber dazu gibt’s dann mehr auf der Seite des Museums.
Ebenfalls ein exklusives Highlight war unser Abstecher aufs Dach. Dort befindet sich eine Terrasse, die dem Haustechniker einst als Garten diente. Im Anschluss an die Führung haben wir uns in das 7. Stockwerk gehievt. Die bewachsene Dachterrasse soll umgebaut werden damit dort künftig Events und Ähnliches stattfinden können. Trotz luftiger Höhe freue ich mich auf die Umsetzung und vor allem auf das Ergebnis: der Blick auf die Skyline von ‚Mainhatten‘ ist vom Dach des alten Gebäudes unbezahlbar!

Wie üblich gab es zum Schluss noch die Gelegenheit, mit den anderen Internet-Menschen in persönlichen Kontakt zu treten. Bei Getränken und Snacks hat man die Telefone dann auch mal in der Tasche gelassen 😉

Anlässlich des Jubiläums gibt es in diesem Jahr viele weitere Highlights und Aktionen: vom Fotowettbewerb ‚Ich und mein Senckenberg‘ bis hin zu Sonderausstellungen ist für jeden etwas dabei.

 

#mjsmcffm – Social Media Walk im Jüdischen Musem

Vergangenen Donnerstag hatte ich mal wieder das Vergnügen am Social Media Walk des Social Media Clubs Frankfurt teilzunehmen.

Museum goes Internet – Dr. Mirjam Wenzel, die uns durch den Abend führt, erklärt, wie die Digitalisierung Einzug im Museum hält. „Das Internet ist unser dritter Standort“, sagt sie. Und das meint sie durchweg positiv: das Museum in der Battonstraße entzückt nicht nur mit seinen großartigen Aufbau, sondern auch durch sein digitales Konzept.

Man kann selbstverständlich öffentliche Führungen besuchen. Das lohnt sich auch, denn die Mitarbeiter sind, wie Mirjam auch, unglaublich nett, kompetent und beantworten jede Frage. Auch Gruppenführungen sind möglich. Das eignet sich besonders gut für Schulklassen. Gerade Lehrerinnen und Lehrern würde ich einen Ausflug ins Museum empfehlen. Für jedes Alter ist etwas dabei. Auch für die kleinen (und natürlich auch für die großen) Kinder gibt es spannende Möglichkeiten, die jüdische Gemeinde aus Frankfurt ab dem Mittelalter kennen zu lernen. Oft hört man vom Holocaust des dritten Reiches. Hier kann man aber auch viel über Judenausgrenzug ab dem 15. Jahrhundert lernen. Die Judengasse war das erste jüdische Ghetto in Europa.

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Wenn man das Museum aber alleine erkunden, auf interessante Infos und Stories aber nicht verzichten möchte, kann sich die App zum Museum runterladen. Das würde ich aber vor dem Besuch machen, WLAN gibt es (noch?) nicht. Die App bietet einen virtuellen Rundgang durch die Räume des Museums. So erfährt man zu Beginn auch etwas über die Geschichte und den ‚Kampf‘ um den Standort in den 60er Jahren. Stück für Stück wird man dann mir freundlichen Sprachnachrichten durch die bescheidene, aber sehr schöne, Sammlung und die nachgebauten Ruinen geführt.

Viele der Besucher haben sich die App angesehen. Die Führung von Direktorin Mirjam Wenzel, die vor zwei Jahren noch im jüdischen Museum in Berlin tätig war, war zu gut.

Nach der Führung hatten wir die Möglichkeit, die Ausstellung noch ein Mal auf eigene Faust zu erkunden. Bei Drinks und Snacks kamen die Blogger, Schreiber und Fotografen dann zusammen, – auch mal ohne Handy und ganz persönlich – um sich auszutauschen.

 

 

 

Magritte – Der Verrat der Bilder

Mit René Magritte verbinde ich vor allem meine lange Liebe zum Surrealismus. Er hat mich sehr geprägt in dem was ich tat und tue. Magritte verbinde ich auch mit meiner lieben Freundin Maike, die früher, wie niemand sonst, die Bilder des französischen Künstlers adaptierte und neu interpretierte wie sie es tat (und hoffentlich auch heute noch tut!).

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Aus dem SCHIRN DIGITORIAL zu René Magritte

Umso erfreuter war ich, als Magritte nach Frankfurt in die SCHIRN kam und ich das MEETUP zur Ausstellung begleiten durfte.

Die Frankfurter Kunsthalle widmet einem der bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts eine wundervolle Einzelausstellung, die über 70 Werke aus sowohl privaten, als auch öffentlichen Ausstellungen zeigt. Somit haben die Besucher der Ausstellung bis zum 5. Juni die Möglichkeit (und hell yeah ich geh noch 1000 mal hin), Bilder zu sehen, die bisher auch den Besuchern der Tate in London oder dem Metropolitan in New York vorenthalten wurden. Das Team hinter Kuratorin Martina Weinhart hat keine Mühen gescheut und in Kooperation mit dem Centre Pompidou Paris eine einzigartige Ausstellung geschaffen, wie sie seit 20 Jahren nicht mehr zu besichtigen war.

Untergliedert ist die Ausstellungsfläche in einzelne Räume, die verschiedene Themen aufgreifen, unter anderem auch die Auseinandersetzung Magrittes mit zeitgenössischen Philosophen und Problematiken, die auch heute noch aktuell sind. Beim gestrigen MEETUP hatten wir die Gelegenheit, an einer Führung teilzunehmen, die auch sonst zum Aufpreis von 3€, zu besuchen sind. Es lohnt sich sehr, weil man nicht nur Infos zum Künstler bekommt sondern auch Einblicke in die Organisation der Ausstellung bekommt.

Aber auch alleine lohnt sich ein Ausflug, es gibt viel zu entdecken. Auch dieses mal kann man die Ausstellung nämlich interaktiv durchlaufen. ‚Magritte und Ich‘ ist ein interessanter Begleiter durch die Ausstellung, der im SCHIRN Wlan kostenlos zur Verfügung steht.

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Zum eigentlichen MEETUP: Wie auch beim letzten mal war es ganz hervorragend organisiert.
Nach einem kleinen Warm Up gab es Grußworte und einen Vortrag von Klaus Seipel. Klaus ist der Mann, der hinter dem Katalog der Ausstellung steht und erzählte von der Bildrheto­rik von Magritte bis Insta­gram.
Danach ging es auch direkt in die Ausstellung, die extra für uns länger offen hatte. Die Führung war, wie gesagt, wunderbar, und wir hatten danach noch Zeit, die Ausstellung noch alleine zu bestaunen. Zum Abschluss gab es noch eine kleine Party. Bei Drinks, Snacks und feinsten Tönen von Sucuk&Bratwurst hat man sich wieder getroffen, zusammen surreale Bilder nachgestellt und dabei unglaublich viel gepostet, getwittert und auch abseits des Internets geschnackt. Viele Beiträge dazu gibt es überall unter #imaginemagritte und auf den social media accounts der SCHIRN.

Bis zum Sommer warten aber auch einige andere besondere Highlights. So wird es auch zu René Magritte, wie SCHIRN AT NIGHT (Vorverkauf ab 10. April), der allseitsbeliebten Kinderkunstnacht am 25. März und vielem mehr. Infos zu Anfahrt, Events, Führungen und Preisen gibt es wie immer hier.

 

Ja klar, äh nein, ich mein Jein !

Zu meinem Vorstellungsgespräch am Montag kam ich zu spät. Es waren nur fünf Minuten und ich komm grundsätzlich immer zu spät, geärgert habe ich mich trotzdem. Als ich rein kam, bin ich von sehr freundlichen Mitarbeitern begrüßt worden. Man bot mir Kaffee an, ich habe mich direkt wohl gefühlt und das mit der Verspätung war auch nicht so schlimm. Für die Aushilfen ist die stellvertretende Chefin zuständig. Eine Stunde lang haben wir uns unterhalten und wir haben uns ausgesprochen gut verstanden, ein Probearbeitstag war auch schnell ausgemacht. Das war natürlich nicht die einzige Stelle, für die ich mich beworben habe. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wie viele Bewerbungen ich im Endeffekt per E-Mail verschickt habe. Antworten kamen allerdings keine weiteren. Bis gestern.

Die E-Mail kam mittags schon, ich habe es allerdings erst spät abends gesehen, als ich schon im Bett lag. Für gewöhnlich hänge ich da nicht mehr am Handy rum. Abgesehen davon, dass das schlecht für die Augen ist, sollte man abends auch einfach mal abschalten. Das konnte ich aber nicht. Ich MUSSTE einfach herausfinden, wer mir auf meine Bewerbung geantwortet hat. Welches Unternehmen war es? Wem hab ich überhaupt geschrieben? War das nicht dieser ziemlich coole Job im Social Media Bereich? Ich konnte wirklich nicht einschlafen deswegen und habe also nachgesehen. Das hätte natürlich warten können. Ich hätte es auch komplett lassen könne. Schließlich habe ich für Montag einen Probearbeitstag in einem Unternehmen mit zahlreichen Möglichkeiten, super freundlichen Mitarbeitern und einem Konzept, hinter dem ich stehe. Das einzige Problem ist: vielleicht verpasse ich ja etwas.

Die Angst habe ich häufig und das macht mich reichlich unentspannt. Ich mache das nämlich, leider, auch bei Verabredungen. ‚Ob ich am Samstag zeit habe? Puh, weiß ich noch nicht.‘ Vielleicht kommt was besseres, da will ich nicht schon verplant sein. Vielleicht habe ich an dem Samstag aber dann auch keine Lust mehr, noch etwas zu unternehmen. Warum nicht einfach ja sagen und alte Bekannte treffen? Oder gleich nein sagen und sich darauf einstellen, den Samstag alleine zu verbringen?  Wie mies ist das?

Allerdings habe ich das Gefühl, wir machen das häufiger. Also wir alle. Wir treffen nicht gerne Entscheidungen und es ist uns auch kaum zu verübeln, wie ich finde. Nach dem Abi machen wir lieber Auslandsaufenthalte und entspannen anstatt uns für ein Studium oder eine Ausbildung zu entscheiden. Wir sind jung, wir wollen nicht alles in Stein meißeln. Wir wollen am Samstag vielleicht lieber was super aufregendes machen als dass wir nur einen Kaffee trinken gehen. Aber ist das wirklich mies?

Pauschal kann man das nicht sagen. Ja, wir sind jung. Ja, wir müssen mit 18, 19 oder 20 Jahren noch keine entscheidenden Lebensentscheidungen treffen. Wir haben so viele Möglichkeiten und das ist gut so, es ist kaum möglich, alle Möglichkeiten kennen zu lernen. Also ja, wir sollten uns viel angucken, viel ausprobieren, erwachsener werden und dann entscheiden, was wir bis zu unserem Renteneintritt machen wollen. Machen wir also ein Auslandsjahr. Machen wir Praktika uns sagen dann einfach mal ja zu Nebenjobs, bei denen wir etwas neues lernen und vielleicht sogar richtig gut finden. Wir sind nämlich jung, wir können in einem Jahr auch wieder was anderes probieren, bis wir irgendwann uns und unsere Lebensziele finden. Und das ist wichtig. Wir müssen suchen, vielleicht auch ohne Ziel, um wenigstens uns selbst zu finden, uns kennen zu lernen und immerhin herauszufinden, was wir gut finden und was nicht.

Bis dahin sollten wir uns aber trotzdem entscheiden. Sagen wir also einfach mal bei Verabredungen zu, auch wenn wir noch nicht wissen, ob wir Lust haben. Einfach mal machen und hingehen schadet nie. Vielleicht läufts ja gut. Und wenn nicht ist auch nicht schlimm. Ein nein ist auch besser als ein vielleicht und der nächste Samstag kommt.

 

New Year – New Me. Oder so.

Die Leute sind, wie jedes Jahr zum Jahresende, motoviert gewesen. Man will Dinge verändern, sich selbst verändern. Aber was hat diese magische Nacht an sich? Warum möchten wir am nächsten Tag am besten ein ganz neuer Mensch sein?

Die Feierei geht, wie so viel, auf alte germanische Bräuche zurück. Man wollte die gefürchteten Geister des Kriegsgottes Wotan vertreiben. Die Menschen damals fürchteten sich sehr und zündeten Dinge an und machten so viel Krach wie nur geht. Das hat sich auch nicht verändert, 100 Millionen € werden auch heute noch ausgegeben für Raketen, Feuerwerk und allerhand krachende Böller.

Der Gedanke ist also möglicherweise einfach der Gleiche geblieben. Klar, wir haben keine Angst mehr vor Wotan und seinem fürchterlichen Gespenster-Heer. Aber man stellt fest, dass es doch Geister gibt, die wir vertreiben wollen. Im 21. Jahrhundert stecken diese aber in uns. Wir rauchen zu viel, lieben zu wenig und in der Uni könnte es auch besser laufen. Winterspeck? Kann jetzt auch langsam runter. Wir könnten motivierter sein. Wir könnten entspannter sein. Die Zeitschrift Glamour bietet ein ganzes Detox-Programm an, um sich und sein Leben zu entschlacken  Also nehmen wir es uns vor. Auch dieses Jahr wieder. Und vermutlich nächstes Jahr. Immer zum Jahresende, wenn man die Chance hat, einen Abschnitt abzuschließen.

Bis jetzt sagt mir das #healthylife auch ganz gut zu, mein tägliches Yoga halte ich auch gut durch. Aber einige Dinge lassen sich nicht über Nacht ändern, das ist mir klar. Auch nicht mit ausgeklügelten Detox Plänen, wenns nur so einfach wäre! Also nutze ich das ganze Jahr, vielleicht auch das nächste Jahr.

Das Semester geht aber am Montag schon wieder weiter, die Prüfungen starten im Februar. Bis dahin bin ich hoffentlich noch etwas motiviert. Da kann ich leider nicht detoxen.